Schon die erste Szene dieses Films macht klar, dass Kara (Milly Alcock) auf das Superhelden-Dasein eher wenig Lust hat. Die 22-Jährige feiert sich viel lieber durch die Pubs der Galaxie und wacht morgens entsprechend derangiert wieder auf. Ursprünglich ist die Cousine von Superman auch auf die Erde gekommen, doch so richtig zu Hause gefühlt hat sie sich dort nicht. An einem Abend trifft sie auf die junge Ruthye (Eva Ridley), die gekommen ist, den Tod ihrer Eltern und ihres Bruders zu rächen, da diese von Krem (Matthias Schoenaerts) umgebracht wurden. Eigentlich will Kara mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, aber dummerweise vergreift sich Krem auch an Karas Hund Krypto und vergiftet diesen. Nun will auch Kara Krem finden, um das Gegengift von ihm zu bekommen.
Damit ist der Plot angelegt für den zweiten Film des neuen DC-Universe, das im letzten Jahr mit Superman einen eher durchwachsenen Anfang genommen hat. Und man darf zumindest feststellen, dass Supergirl einen anderen Weg geht als ihr großer Cousin. Denn zumindest strafft der Film das Portfolio an Nebenfiguren deutlich und wirkt allein deshalb übersichtlicher. Auch lässt sich die Handschrift von Produzent James Gunn nun deutlicher erkennen, vor allem bei den Action-Szenen, die im fast schon bekannten Style der Guardians of the Galaxy daherkommen (also mit Popmusik und etwas ironisch inszeniert). Weil es Kara zudem in etwa so häufig in den Fingern juckt wie Bud Spencer, ist für genug Action gesorgt.
Bei allem Spaß, den die Action-Szenen versprühen, wirkt der Rest der Story dann aber doch eher etwas straff und mit wenig Tiefe. Hier verschenkt der Film aus meiner Sicht viel Potential. Kara ist im Gegensatz zu ihrem Cousin viel älter, als sie den Planeten Krypton verlässt. Ihre Verlusterfahrung ist eine ganz andere, vielleicht sogar eine andere als die von Ruthye, die mitansehen muss, wie ihre Eltern ermordet werden. Die Gespräche über Gefühle bleiben aber für mich viel zu oberflächlich und klingen eher nach Kalenderspruch als ernsthafter Auseinandersetzung mit Trauer oder Wut. Da ist die Standpauke von Ruthye, die sie ihrem Idol über den Alkoholkonsum hält, noch einer der besseren Momente. Vielleicht ist das für einen Actionfilm mit Blockbusteranspruch aber auch zu viel verlangt.
Dass der Film trotzdem gut ankommt, ist vor allem seinem Cast zu verdanken. Milly Alcock liefert eine super Performance ab und deutet zumindest an, dass sie als Supergirl noch einiges zu bieten hätte. Wie oft sie dazu die Gelegenheit bekommt, bleibt abzuwarten. Eva Ridley als Ruthye und Matthias Schoenaerts als Bösewicht Krem sind in Ordnung, gerade Schoenaerts wirkt aber teils etwas überdreht in seiner Rolle. Und dann ist da noch Jason Momoa, der im zweiten Teil des Films als Halbgott „Lobo" auftritt und in gewohnter Manier abliefert. Vor allem sein Kostüm erinnert mich aber in verstörender Weise an den Wildhüter „Hagrid" aus Harry Potter. Nur halt irgendwie „cooler".
Ich hätte mich wirklich gefreut, wenn Supergirl richtig eingeschlagen hätte. Und für mich ist es auch kein schlechter Film. Nur leider eben auch kein richtig guter. So bleibt aber immerhin ein launiger Sommerkino-Spaß, der zumindest sein Zielpublikum einigermaßen erreichen dürfte.